Mehrwertsteuer in Deutschland: 19% und 7% einfach erklärt
Die Mehrwertsteuer (MwSt) ist die wichtigste Einnahmequelle des deutschen Staates. Sie macht rund ein Drittel aller Steuereinnahmen aus und wird auf fast alle Waren und Dienstleistungen erhoben. Doch was genau ist die Mehrwertsteuer, wie unterscheiden sich die Steuersätze und was bedeutet das für Verbraucher und Unternehmer? Dieser Artikel gibt Ihnen einen umfassenden Überblick.
Was ist die Mehrwertsteuer?
Die Mehrwertsteuer ist eine Verbrauchsteuer, die auf den Endpreis von Waren und Dienstleistungen erhoben wird. Sie wird bei jeder Veredelungsstufe einer Ware fällig, also jedes Mal, wenn ein Unternehmen einen Mehrwert schafft. Das Prinzip: Jedes Unternehmen berechnet die MwSt auf seine Verkaufserlöse und zieht gleichzeitig die Vorsteuer ab, die es selbst für Eingänge bezahlt hat. Die Differenz führt es an das Finanzamt ab. Dadurch wird nur der tatsächliche Mehrwert besteuert und nicht der gesamte Umsatz mehrfach belastet.
Für den Endverbraucher ist die Mehrwertsteuer unsichtbar in den Preisen enthalten. Wenn Sie im Supermarkt 1,19 Euro für ein Produkt bezahlen, davon sind 19 Cent Mehrwertsteuer. Der Nettopreis des Produkts beträgt 1,00 Euro.
Die Geschichte der Mehrwertsteuer in Deutschland
Die Mehrwertsteuer in ihrer heutigen Form existiert seit 1968, als sie die bisherige Umsatzsteuer ablöste. Damals lag der reguläre Steuersatz bei 10 Prozent. Im Laufe der Jahrzehnte wurde er schrittweise angehoben: 1978 auf 13 Prozent, 1983 auf 14 Prozent, 1993 auf 15 Prozent, 1998 auf 16 Prozent und schließlich 2007 auf die heutigen 19 Prozent. Der ermäßigte Steuersatz startete bei 5 Prozent und wurde ebenfalls mehrfach angepasst, bis er bei 7 Prozent ankam.
Besonders erwähnenswert ist die temporäre Senkung der Mehrwertsteuer in den Jahren 2020 und 2021 während der Corona-Pandemie. Von Juli 2020 bis Dezember 2020 galt ein ermäßigter Regelsatz von 16 Prozent statt 19 und der ermäßigte Satz sank von 7 auf 5 Prozent. Diese Maßnahme sollte die Kaufkraft der Bürger stärken und die Konjunktur ankurbeln.
19% versus 7%: Die beiden Steuersätze
Deutschland kennt zwei Mehrwertsteuersätze:
- Regulärer Steuersatz (19 Prozent): Gilt für die allermeisten Waren und Dienstleistungen, darunter Elektronik, Kleidung, Möbel, Handwerkerleistungen, Restaurantbesuche, Kraftstoffe und Dienstleistungen aller Art.
- Ermäßigter Steuersatz (7 Prozent): Gilt für bestimmte Grundnahrungsmittel, Bücher, Zeitungen, Zeitschriften, Blumen, Kunstgegenstände, Sammlungen und bestimmte kulturelle Leistungen.
Die Liste der ermäßigt besteuerten Güter ist detailliert im Umsatzsteuergesetz geregelt. Nicht alle Lebensmittel profitieren vom ermäßigten Satz. So gelten etwa Frischwaren wie Brot, Milch, Obst und Gemüse für 7 Prozent, während Luxuslebensmittel wie Kaviar oder Austern dem vollen Satz unterliegen. Auch alkoholische Getränke werden grundsätzlich mit 19 Prozent besteuert, unabhängig davon, ob sie im Supermarkt oder in der Gastronomie gekauft werden.
Beispiel im Vergleich: Ein Buch kostet netto 10,00 Euro.
Mit 7% MwSt = 10,70 Euro brutto
Mit 19% MwSt = 11,90 Euro brutto
Die Differenz von 1,20 Euro zeigt, wie viel der Steuersatz beim Endpreis ausmacht.
Der Vorsteuerabzug für Unternehmen
Eines der wichtigsten Prinzipien der Mehrwertsteuer ist der Vorsteuerabzug. Unternehmen können die Mehrwertsteuer, die sie für Geschäftseinkäufe bezahlt haben, von der Mehrwertsteuer abziehen, die sie selbst auf ihre Verkäufe berechnet haben. Dies verhindert eine Kumulation von Steuern entlang der Wertschöpfungskette.
Beispiel: Ein Händler kauft Waren für 1.000 Euro netto plus 190 Euro MwSt ein. Er verkauft die Waren für 1.500 Euro netto plus 285 Euro MwSt. Er führt an das Finanzamt nur die Differenz ab: 285 minus 190 = 95 Euro. Genau diese Differenz entspricht 19 Prozent auf den Mehrwert von 500 Euro.
Voraussetzung für den Vorsteuerabzug ist, dass das Unternehmen vorsteuerabzugsberechtigt ist. Das bedeutet in der Regel, dass es regulär umsatzsteuerpflichtig ist und gültige Rechnungen mit separatem Ausweis der Mehrwertsteuer vorliegen kann.
Mehrwertsteuer im EU-Vergleich
Die EU-Mitgliedstaaten sind verpflichtet, einen Standard-Mehrwertsteuersatz von mindestens 15 Prozent zu haben. Der ermäßigte Satz muss mindestens 5 Prozent betragen. Innerhalb dieses Rahmens gibt es jedoch erhebliche Unterschiede:
- Luxemburg: 17 Prozent (niedrigster Standardsatz in der EU)
- Deutschland: 19 Prozent
- Frankreich: 20 Prozent
- Italien: 22 Prozent
- Ungarn: 27 Prozent (höchster Standardsatz in der EU)
Diese Unterschiede erklären, warum grenznahe Einkäufe in Deutschland bei Verbrauchern aus den Niederlanden oder Frankreich besonders beliebt sind. Allerdings werden bei grenzüberschreitenden Lieferungen innerhalb der EU komplexe Regelungen zur Ort der Lieferung wirksam, die für Unternehmer eine besondere Herausforderung darstellen.
So berechnen Sie die Mehrwertsteuer
Die Berechnung der Mehrwertsteuer ist grundsätzlich einfach:
Von Netto auf Brutto: Nettopreis × (1 + Steuersatz/100) = Bruttoupreis
Von Brutto auf Netto: Bruttoupreis / (1 + Steuersatz/100) = Nettopreis
MwSt-Betrag berechnen: Nettopreis × Steuersatz/100 = MwSt-Betrag
Für die schnelle Berechnung im Kopf gibt es nützliche Faustformeln. Um 19 Prozent MwSt aus einem Bruttobetrag herauszurechnen, teilen Sie durch 1,19. Für 7 Prozent teilen Sie durch 1,07. Schneller und genauer geht es mit unserem Mehrwertsteuerrechner, der Netto-, Brutto- und MwSt-Beträge sofort berechnet.
Tipps für Kleinunternehmer und Freiberufler
Wer ein kleines Unternehmen gründet, kann die Kleinunternehmerregelung nach Paragraph 19 UStG nutzen. Bei einem Jahresumsatz von bis zu 22.000 Euro (seit 2020, vorher 17.500 Euro) kann auf die Erhebung und Abführung der Mehrwertsteuer verzichtet werden. Das vereinfacht die Buchhaltung erheblich, hat aber auch Nachteile:
- Ohne MwSt-Ausweis auf Rechnungen wirkt das Unternehmen für manche Geschäftskunden weniger professionell.
- Der Vorsteuerabzug entfällt: Eingehende MwSt auf Einkäufe kann nicht abgezogen werden und wird zum Kostenfaktor.
- Die Optierung zur Regelbesteuerung ist möglich und kann sich lohnen, wenn hohe Investitionskosten anfallen.
Prüfen Sie sorgfältig, welche Regelung für Ihre Situation vorteilhafter ist. Ein Steuerberater kann hierbei helfen.
Fazit
Die Mehrwertsteuer betrifft uns alle, jeden Tag. Für Verbraucher ist sie in den Preisen enthalten, für Unternehmer ein wichtiger Teil der Buchhaltung. Wer die Grundlagen versteht, kann sowohl beim Einkaufen als auch bei der Geschäftsführung bessere Entscheidungen treffen. Nutzen Sie unseren Mehrwertsteuerrechner für schnelle und präzise Berechnungen.
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