Das deutsche Notensystem: Alles was Sie wissen müssen
Das deutsche Notensystem ist ein zentraler Bestandteil des Bildungswesens und begleitet Schüler, Studenten und Auszubildende durch ihre gesamte Ausbildung. Ob an der Schule, an der Universität oder im Beruf: Noten entscheiden über Versetzungen, Abschlüsse und manchmal über die gesamte berufliche Zukunft. Doch wie genau funktioniert das System? Was bedeuten die Zahlen und wie werden Durchschnitte berechnet? Dieser Artikel erklärt alles Wichtige.
Die Schulnoten 1 bis 6
In Deutschland werden Schulnoten traditionell auf einer Skala von 1 bis 6 vergeben, wobei 1 die beste und 6 die schlechteste Note ist. Dieses System gilt bundesweit, allerdings gibt es bei der genauen Interpretation und bei Tendenzen (Plus und Minus) regionale Unterschiede.
- Note 1 (sehr gut): Die Leistung entspricht den Anforderungen in besonderem Maße.
- Note 2 (gut): Die Leistung entspricht den Anforderungen voll.
- Note 3 (befriedigend): Die Leistung entspricht den Anforderungen im Allgemeinen.
- Note 4 (ausreichend): Die Leistung weist zwar Mängel auf, entspricht aber noch den Anforderungen.
- Note 5 (mangelhaft): Die Leistung entspricht nicht den Anforderungen, kann jedoch mit Mängeln behoben werden.
- Note 6 (ungenügend): Die Leistung entspricht nicht den Anforderungen und ist selbst mit Mängeln nicht mehr zu beheben.
Die Noten 1 bis 4 gelten als bestanden, die Noten 5 und 6 als nicht bestanden. Eine 5 bedeutet in der Regel, dass die Versetzung gefährdet ist, eine 6 führt meistens zum Sitzenbleiben, sofern nicht in anderen Fächern ausgeglichen werden kann.
Tendenzen und feinere Abstufungen
An vielen Schulen werden die Noten durch Tendenzen weiter verfeinert. Eine 2+ (oder 2,3) bedeutet dabei eine Tendenz zur 1, während eine 2- (oder 2,7) eine Tendenz zur 3 andeutet. Auf dem Zeugnis erscheint in der Regel die ganzzahlige Note, intern rechnen Lehrer aber oft mit Kommazahlen. Für den Notendurchschnitt sind diese Feinabstufungen entscheidend.
Die exakten Werte sind: 1+ = 0,75; 1 = 1,0; 1- = 1,25; 2+ = 1,5; 2 = 1,75; 2- = 2,0; und so weiter bis 6- = 5,75. Diese Notenschlüssel variieren jedoch je nach Bundesland und Schulform leicht.
Gewichtete Noten und Klausuren
Nicht alle Noten zählen gleich viel. In den meisten Fächern werden Klausurnoten (schriftliche Prüfungen) und mündliche Noten (Mitarbeit im Unterricht, Referate, Tests) unterschiedlich gewichtet. Typisch ist eine Gewichtung von 50:50 oder 60:40 zugunsten der Klausuren. Das bedeutet, dass eine schlechte Klausurnote den Gesamtschnitt stärker beeinflusst als eine mündliche Note.
In der Oberstufe kommt die Fachwichtung hinzu. Leistungskurse werden doppelt so stark gewichtet wie Grundkurse. Diese Gewichtung ist besonders wichtig für die Berechnung der Abiturnote und kann den Unterschied zwischen einem Numerus Clausus von 1,9 und 2,1 ausmachen.
Beispiel für gewichteten Notendurchschnitt:
Klausur: Note 3 (Gewichtung 50%)
Mündlich: Note 2 (Gewichtung 50%)
Durchschnitt: (3 × 0,5) + (2 × 0,5) = 2,5
Auf dem Zeugnis erscheint in der Regel eine 3, da ab 2,5 zur schlechteren Note gerundet wird.
Das Abitur-Notensystem: 0 bis 15 Punkte
In der gymnasialen Oberstufe und im Abitur wird ein anderes System verwendet: die Punkteskala von 0 bis 15 Punkten. Dieses System ermöglicht eine feinere Differenzierung und entspricht den Schulnoten wie folgt:
- 15 bis 13 Punkte: Note 1 (sehr gut)
- 12 bis 10 Punkte: Note 2 (gut)
- 9 bis 7 Punkte: Note 3 (befriedigend)
- 6 bis 4 Punkte: Note 4 (ausreichend)
- 3 bis 1 Punkt: Note 5 (mangelhaft)
- 0 Punkte: Note 6 (ungenügend)
Die Abiturnote wird aus den Leistungen in der Qualifikationsphase (Q-Phase) und den Abiturprüfungen berechnet. Insgesamt gehen mehrere hundert Einzelpunkte in die Berechnung ein. Die Endnote wird auf eine Nachkommastelle gerundet und als Wert zwischen 1,0 (bestmöglich) und 4,0 (gerade noch bestanden) angegeben.
Das universitäre Notensystem: 1 bis 5
An deutschen Hochschulen gilt eine Notenskala von 1 bis 5, die den Schulnoten ähnelt, aber einige Besonderheiten aufweist:
- 1,0 bis 1,3: Sehr gut
- 1,7 bis 2,3: Gut
- 2,7 bis 3,3: Befriedigend
- 3,7 bis 4,0: Ausreichend
- 5,0: Nicht ausreichend (durchgefallen)
Die Note 4,0 ist die letzte bestehende Note. Ab 4,3 gilt die Prüfung als nicht bestanden. Auffällig ist, dass es keine Zwischennoten wie 1,5 oder 2,5 gibt. Die Notenstufen springen in Schritten von 0,3 oder 0,4. Universitäten verwenden oft das bayerische Notensystem, bei dem 1,0 die bestmögliche Note ist, im Gegensatz zum angelsächsischen System, wo 4,0 (GPA) das Maximum ist.
Für die Bewerbung auf einen Studienplatz wird die Abiturnote (oft als Numerus Clausus oder NC bezeichnet) herangezogen. Je nach Studiengang und Universität liegt der NC bei beliebten Fächern wie Medizin oder Psychologie oft bei 1,0 bis 1,2.
Schriftlich versus mündlich: Was zählt mehr?
Die Gewichtung zwischen schriftlichen und mündlichen Leistungen variiert je nach Schulform und Bundesland. Generell gilt: Schriftliche Prüfungen haben ein höheres Gewicht, weil sie als objektiver gelten. Eine Klausur wird von der gesamten Klasse geschrieben und nach denselben Kriterien bewertet. Mündliche Noten sind subjektiver und hängen stärker von der Wahrnehmung des Lehrers ab.
In der Oberstufe werden Klausuren in der Regel einfach, mündliche Leistungen ebenfalls einfach gewichtet. Die Abiturprüfungen selbst bestehen meistens aus drei oder vier schriftlichen Prüfungen und einer mündlichen Prüfung, wobei die schriftlichen Prüfungen das Gesamtergebnis dominieren.
Der Notendurchschnitt für Bewerbungen
Bei Bewerbungen, sei es für einen Ausbildungsplatz, ein Studium oder eine Stelle, wird oft der Notendurchschnitt verlangt. Dieser wird als arithmetisches Mittel aller Noten berechnet, gegebenenfalls mit Gewichtung nach Fächern oder Kursart.
Für die Berechnung addiert man alle Noten und teilt durch die Anzahl der Fächer. Bei gewichteten Noten multipliziert man jede Note mit ihrem Gewicht, addiert die Ergebnisse und teilt durch die Summe der Gewichte. Unser Notendurchschnittsrechner nimmt Ihnen diese Berechnung ab.
Wichtig: In Bewerbungen wird der Durchschnitt auf eine Nachkommastelle gerundet. Ein Schnitt von 2,45 wird als 2,5 angegeben, ein Schnitt von 2,44 als 2,4. Diese scheinbar kleinen Unterschiede können bei der Bewerbung um begehrte Plätze entscheidend sein.
Fazit
Das deutsche Notensystem mag auf den ersten Blick einfach wirken, hat aber viele Facetten. Von den Schulnoten 1 bis 6 über die Abiturpunkte bis hin zu den Universitätsnoten gibt es verschiedene Systeme, die jeweils ihre eigenen Regeln haben. Wer sein Zeugnis richtig versteht und den Notendurchschnitt korrekt berechnet, ist bei Bewerbungen und Anträgen im Vorteil. Probieren Sie unseren Notendurchschnittsrechner aus, um Ihren Schnitt schnell und zuverlässig zu berechnen.
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